Politik

oder

interessiert mich das überhaupt noch? ?



Oder, bringen Wahlen überhaupt noch was ?


Wie immer, morgens um fünf höre ich Nachrichten im Radio und lese dabei unsere Heimatzeitung. Letztens war es Angst die sich bei mir ausbreitete, weil die Weltpolitik uns zu vernichten drohte. Dieses Mal lese ich, das Ergebnis der Bundestagswahl. Es breitet sich bei mir keine Angst aus. Warum auch ? Es stand ja eigentlich schon lange fest, wie diese Wahl ausgeht. Möchte ich hier auch nicht weiter kommentieren. Außer die Aussicht auf „Jamaika“, ich liebe 54 prozentigen Jamaikarum. Im Tee, Kaffee oder im Rumtopf.

Dazu lese ich in einem Beiblatt die große Schlagzeile:“Ganz Deutschland leidet unter Reizdarm!“ Betroffene äußern sich dazu auf Seite 3. Klein darunter: Hilfe bei Gelenkschmerzen und Erektionsstörungen. Bezieht sich das noch auf unsere Politik, oder sollte es sich hier um ein eigenständiges Thema handeln. Schwer zu unterscheiden. Kann aber auch schon auf die vorgezogene Landtagswahl hindeuten. Ach ich habe mich verlesen, es handelt sich nicht um Erektionsstörung, sondern um Essstörungen. Fast das Gleiche !

Neben der täglichen Politik lesen wir von Oktoberfesten in unserem Bereich, die nie enden wollen. Müssen wir hier im Norden alles übernehmen und mitmachen ?? Ich werde keine Lederhose, oder Dirndl anziehen. Zum Schluss lese ich noch von den schlechten Wettervorhersagen und dem misslungen Sommer in diesem Jahr. Auf der Fahrt zum Dienst höre ich neben dem Geplärre der „Hits von Heute“ noch weitere Analysen und Prognosen für die weitere Fortführung unserer zukünftigen Bundesregierung. Nachdem ich einer Hirschkuh, zwei Wild sauen ausgewichen war, überfuhr ich kurz einen Waschbären, überzeugte mich von seinem Ableben und lauschte wieder den „Hits von Heute“.

Auf dem Parkplatz unserer Dienststelle wurde ich schon mit politischen Diskussionen empfangen. Ich hätte mich ja lieber über die zu erwartende Wetterlage unterhalten, aber ich kam leider nicht zu Wort. Die politische Landschaft wird sich drastisch ändern, hörte ich meinen Kollegen sagen. Auf die Frage in welche Richtung sich die Lage ändern wird, konnte er mir auch keine genaue Antwort geben, da sich die Parteien noch nicht geeinigt haben und auch noch lange nicht einigen werden. Also wurde für mich das Thema erst einmal auf Eis gelegt. Ich erklärte jedem, der mich belästigte, dass ich kein Interesse daran habe, Diskussionen über die neue Bundesregierung zu führen. Somit schwenkte man um und wollte sich über die neue Landregierung mit mir unterhalten, der ebenfalls vorzeitig gewählt werden muss. Als Staatsbediensteter interessiert mich das Thema schon, aber irgendwann reicht es und ich möchte auch noch einmal über andere Dinge des Lebens reden. Aber eben auch nicht über „Reizdarm“. Obwohl ich gelesen habe, dass sogar Veganer unter „Reizdarm“ leiden können. Es gibt bestimmt auch noch Gesprächsthemen dazwischen. Ich fand zum Beispiel interessant, dass ein Feuerwehrmann seinen Kameraden beweisen wollte, dass man eine Zigarettenkippe in einen Autotank werfen kann, ohne dass etwas passiert. Nachdem das Auto abgelöscht war, erkannte auch er, dass sich Benzindämpfe durch Zigarettenkippen entzünden lassen. Kleine Randgeschichte ohne politischen Ursprungs, aber sehr amüsant. Nun muss ich dazu natürlich auch sagen, dass an einer Tankklappe des Autos auch kein Hinweis zu finden ist, dass man keine glimmenden Zigaretten kippen in den Tank werfen darf, jedenfalls wenn möglich nicht bei einem Benzin betriebenen PKW. Beim Diesel ist das etwas anderes, die müssen sowieso verschwinden. Hierfür werden sich unsere Politiker einer gewissen Farbschattierung einsetzen. Wenn alle Wahlen beendet sind und wir eine neue Regierung in Berlin sitzen haben, garantiere ich, dass kein Arsch mehr über den Diesel spricht. Außer den Autofirmen, die die Kisten loswerden wollen. Wir werden immer wieder auf die negativen Seitens des Lebens hingewiesen. Nachrichten machen krank. Nachrichten versuchen uns in eine Richtung zu lenken.

Die Nachrichten verfolgen ist eine üble Sache. Der Schweizer Autor und Unternehmer Rolf Dobelli schreibt in seinem Papier „Avoiding Newsvon den 15 Gründen, sich keine Nachrichten mehr anzutun. Unsere Gehirne, sagt er, sind dieselben, mit denen die Menschen vor ein paar tausend Jahren in Höhlen hockten – und einfach nicht für die Art und Menge an News ausgerichtet, mit denen wir bombardiert werden.

Reizdarm in Deutschland stark verbreitet“ na klar, wenn man alle Nachrichten über die bestehenden Netzwerke, Radio, Fernsehen und Printmedien verfolgt. Nach einer Flasche „Southern comforthabe ich auch Reizdarm. Dazu noch Kopfschmerzen und Erinnerungslücken, was manchmal auch nicht schadet, zumindest die Erinnerungslücken.

Was ich noch gefunden habe, 250 Dinge, die keinen Menschen interessieren. Hat mit Politik nichts zu tun.

Euer Uli, der seine eigene Politik betreibt.