Das IKEA-Problem

und die Lösung dazu



Betroffen sind hier Eheleute jeglicher Art oder eheähnliche Gemeinschaften, insbesondere die Partner männlicherseits.

Es beginnt meistens mit den Worten des weibl. Partners, dass der neue IKEA-Katalog da sei.


Vor Jahren versuchte ich mich immer mit Ausreden jeglicher Art, um diesen Einkauf zu drücken. Ohne den Termin zu wissen, sagte ich sofort, dass es mir an diesem Tage aus dienstlichen Gründen absolut nicht passen würde. Schlechte Laune war somit vorprogrammiert. Auch schnell einen Inspektionstermin für das gemeinsame Auto anmelden, klappte max. zweimal im Jahr.

Mit Krankheiten kam ich schon gar nicht weiter, zumal der Aufwand hierzu doch immer recht groß war. Mit plötzlich auftretenden Schmerzen im Rücken oder in anderen Bereichen konnte ich selten bei meiner Frau landen.


Also fuhren wir zum Einkauf nach Großburgwedel (war damals der einzige Markt in unserer Nähe.)

Man schlängelte sich mehrere Stunden durch die vorgegebenen Gänge, packte den Wagen voll, stellt am Auto fest, dass nicht alles reinpasste und fluchte leise vor sich hin. Fahrer- und Beifahrersitz wurden so eingestellt, dass man mit dem Gesicht 20 cm an der Frontscheibe saß und das Lenkrad in einem merkwürdigen Armwinkel bewegen musste.


Zu Hause das Auto mit leichten Schäden ausgeladen. Die übelriechenden Holzgegenstände ausgepackt und man versuchte alles vernünftig zusammenzubauen.

In den 70ziger Jahren war IKEA mit seinen Bedienungs-und Aufbauanleitungen noch nicht so auf den Laien im Bereich logischen Denkens und dem schwierigen Möbelaufbau eingerichtet, so dass der Zusammenbau eines Schrankes oder anderer hölzerner Gegenstände mehrere Stunden in Anspruch nahmen, manches Mal auch einen ganzen Tag, oder gar nicht zusammen passten. Also alles wieder eingepackt und man musste alles wieder zurückbringen und umtauschen.

Mindestens zwei vergeudete Tage im Leben eines Mannes.

Eben das IKEA-Problem.


Im Laufe der Jahre reiften meine Ausreden von einem Einkauf bis zum nächsten und wurden immer filigraner.

Das Auto war zwar größer, IKEA erweiterte sein Filialen und die Bauanleitungen verbesserten sich erheblich. Zumal auch das Essen günstig und geschmacklich in Ordnung ist. Man fährt aber nicht zum Essen zu IKEA (ich schon), sondern wie meine Frau auch heute noch immer sagt, um sich zu inspirieren und die Wohnung in Schuss zu halten.

Aber gern fahr ich da trotzdem nicht hin. IKEA ist eben kein Baumarkt.


Ich sehe das Ganze heute aber nicht mehr als das IKEA-Problem und möchte meinen Leidensgenossen einige Tipps und Tricks geben, die sie niemals ihren Frauen erzählen dürfen, da es sonst wahrscheinlich zu massiven Auseinandersetzungen gegen meine Person kommen könnte. Meine Frau hat leider schon einige dieser Tricks erkannt und ich musste manchmal in Sekundenschnelle umdisponieren.


    Wie fängt es an ?

    Meist beim Essen kommt das Gespräch auf des Thema Umbau, oder Neuanschaffung gewisser Einrichtungsgegenstände aus Holz. Jetzt muss der Mann sofort hellhörig werden und darf keine Fragen stellen. Ein Ablenkungsmanöver kann manchmal hilfreich sein. Zum Beispiel das Essen loben und vielleicht eine Andeutung zu einer Einladung zu einem Essen in einem teuren Restaurant durchsickern lassen. Wichtig, das Gespräch an sich reißen und ablenken, immer wieder ablenken. Man verschafft sich Zeit für die ersten Ausreden. Frauen sind aber bekanntlich hartnäckig und werden es immer wieder versuchen auf den Einkauf hinzuweisen.

    Es ist wie im Krieg. Jeder muss hier seine geheimen Taktiken ausspielen. Einerseits die Angriffstaktik der Frau mit zum Teil harten Waffen, auf der anderen Seite der Mann, anfangs mit Frustrationstoleranz und Deeskalation. (Deeskalation bedeutet das Verhindern von Konflikten und sich aufschaukelnden Prozessen, also Rückkopplungen, bzw. Teufelskreise und ist die schwierigste Aufgabe im Konfliktmanagement. Das Gegenteil vonDeeskalation ist die Eskalation. )

Die Eskalation lässt sich leider nicht immer verhindern.

Das bedeutet dann aber das Ende.



Dazu soll es aber nicht kommen.

Denn ist die Lage bereits eskaliert, gibt es außer einer Scheidung, oder Mord, meist keine andere Möglichkeit mehr dem Einkauf zu entfliehen und der Mann muss sich geschlagen geben. Dem Einkauf steht aus Sicht der Frau oder Partnerin nichts mehr im Wege.



Beim Essen im teuren Restaurant lenkt die Frau das Thema wieder geschickt zu den hölzernen Einrichtungsgegenständen. Für den Mann wird es schwierig das Thema schnell zu wechseln. Lauter Streit in einem Restaurant kommt meist nicht gut. Jetzt ist der Mann an der Reihe taktisch klug zu reagieren. Er erwartet ja von seiner Frau nach den teuren Ausgaben für Essen und Trinken auch noch etwas mehr in den häuslichen Wänden, oder schon im Auto. Also frontal in das Gespräch eingreifen. Taktisch klug handeln und an Brennpunkten Schwerpunkte setzen. Nicht übertreiben, Frauen haben dafür eine Antenne und fahren uns bei Erkennen von Gefahren dann eiskalt an die Wand.


    Nun zu meiner Taktik und dem Erlebten.

Ein neuer Schrank im Schlafzimmer, mehrere Regal im Vorratsraum, ein Schuhschrank im Flur und div. Kleinigkeiten für die Wohnung. Der Rest findet sich beim Durchschreiten des Marktes. Ach und essen kann man ja auch noch zwischendurch im IKEA-Markt. Vorher kann man noch die Restposten-Halle durchstöbern. Der Termin stand auch schon fest, kommenden Samstag um 09.30 Uhr bei IKEA-Hannover Messegelände. Halb zehn, warum so früh? Dann kann man ja noch frühstücken bei IKEA. Frühstücken und essen erschreckt mich dann doch, da sich der Einkauf auf mehrere Stunden extrem ausdehnen wird.


Wichtig war für mich, noch keine Ausreden anwenden.

Der Zeitfaktor: Samstag ist zu viel los Frühstück ja, Mittagessen nein. Natürlich nicht so in einem Satz.

Ich kläre meine Frau auf, wie viele Menschen mit vielen und lauten Kindern gerade an einem Samstag den Markt aufsuchen. Zumal gerade an diesem Samstag auch viele Veranstaltungen in Hannover stattfinden und das Verkehrsaufkommen relativ groß seine wird. (Mit Messe konnte ich nicht kommen. Leider haben wir ja Internet.)


Bleibt es bei diesem Samstag, müssen wir auf jeden Fall noch über das Frühstück und Mittagessen reden.

Ja gern zum Frühstück, dann ist noch nicht soviel los und wir sind Mittag wieder zu Hause. Oder zum Mittagessen, aber dann ist der Samstag vermutlich komplett hinüber.


Wir einigen uns und es bleibt bei Samstag mit Frühstück, ohne Zeitbeschränkung für den laufenden Tag.

Die Lage war vorerst gerettet. Es war ein schöner Abend, mit allem was dazu gehört.


Es ist aber noch nicht Samstag und wir fahren auch noch nicht nach Hannover zum IKEA- Markt.


    Kurze Sichtweise

    Frauen sehen nur den Einkauf, die schicke Auswahl, das Essen und mal raus von zu Hause. Der Mann quält sich durch die Gänge, von unerträglichen Menschen umgeben, die plötzlich vor einem stehen bleiben und in ihr Handy quatschen, quengelnde Kinder, die von ihren Eltern durch die Gänge gezerrt werden. Lautsprecher durchsagen die einem auf den Sack gehen,weil Kevin schon das dritte Mal aus dem Smaland abgeholt werden will. Aus einem Regal in der Markthalle fallen einem die schweren Pakete auf den Fuß und an der Kasse dauert es mal wieder 40 Minuten. Die Sachen passen mal gerade so ins Auto und auf dem Rückweg fängt es noch an zu schneien.

Zu Hause muss im Schneesturm der ganze Krempel ausgeladen werden. Am folgenden Tag werden die Pakete ausgepackt und die Einrichtungsgegenstände unter Anweisung der Ehefrau zusammengebaut. Übrig bleibt ein riesen Berg von Pappe, der irgend wie entsorgt werden muss. Also ein weiterer Tag zur Entsorgung der Verpackung. Jetzt stellt sich heraus, dass noch Platz für ein weiteres Möbelstück zur Verfügung steht, und das Theater geht von vorn los.


    Weiter mit meiner IKEA-Ausweichtaktik

Um dem wenn möglich aus dem Wege zu gehen, gehe ich folgendermaßen vor.


Noch drei Tage bis Samstag, meine Frau befindet sich gedanklich schon im IKEA-Markt. Ich nicht.

Ich messe erst einmal mein Auto aus, um dann festzustellen, dass das Fahrzeug zu kurz ist, um gewisse Möbel zu transportieren. Mache den Vorschlag, kleinere Schränke einzukaufen. Meine Frau würde es nicht wagen, mich zu fragen, ob ich eventuell allein zu IKEA fahre, weil dann ja die Möbel ins Auto passen. Ihrer Ansicht nach bringe ich aber absichtlich das Falsche mit oder hätte es gar nicht erst gefunden und käme mit leeren Händen, bzw. Auto zurück. Nach Einsichtnahme meines Kilometerzählers, den sie vorher in Augenschein genommen hätte, stellt sie dann fest, dass ich max. 10 von den eigentlichen 160 Kilometer gefahren war. Ist leider schon vorgekommen. Also die Alleinfahrt vorerst vom Tisch.

Nach kurzem hin und her sollten jetzt nur noch kleine Gegenstände eingekauft werden und der Zeitfaktor war erheblich geschrumpft.

Lohnt sich das überhaupt für so ein paar Sachen diesen Aufwand zu betreiben ?

Ja, meine Frau möchte gern durch den Markt „bummeln“, vielleicht entdeckt sie ja ein paar schöne Dinge für unsere Kinder und Großkinder. Panik machte sich bei mir breit. Aber sie erwähnte, unglücklicher Weise für sie, die „Großkinder“.


    Noch zwei Tage bis Samstag. Ich schwenkte meine Taktik gänzlich um. Wenn sie im Auto hinter mir sitzen würde, wäre es wahrscheinlich nun doch kein Problem die längeren Möbelstücke zu transportieren. (Meine Frau sitzt sehr ungern hinten und schon gar nicht hinter dem Fahrersitz.) Dieses mal wäre sie aber bereit diese Qual auf sich zu nehmen.

Mein Sinneswandel kam nicht von ungefähr, denn es war jetzt mit zwei Fahrten zum IKEA- Markt zu rechnen. Die Vergnügungsfahrt (jedenfalls für sie) am Samstag und die eigentliche Einkaufsfahrt an einem der folgenden Tagen. Oder ich allein.

So richtig begeistert war sie aber nicht mehr. Die Chancen besserten sich erheblich für mich.


    Der Trick

    Am Freitag vor dem besagten Samstag. Ich suchte gleich morgens meine Großkinder auf. Nach kurzem Zögern konnte ich sie dazu überreden, meine Frau zu fragen, ob sie nicht mal wieder eine Nacht bei uns schlafen dürfen. Am besten zwei Nächte von Freitag bis Sonntag. Sie riefen meine Frau an und baten jämmerlich um zwei Übernachtungen bei uns.


Am Freitagnachmittag fragte mich meine Frau, ob ich was dagegen hätte, wenn unsere beiden Großkinder das Wochenende bei uns verbringen würden. Natürlich hatte ich nicht die geringsten Einwände dagegen. Leider müssten wir dann unseren IKEA- Besuch auf unbestimmte Zeit verschieben. Leider !!


    Am Sonntagnachmittag forderten unsere Großkinder von mir die versprochenen fünf Euro ein, die ich ihnen versprochen hatte, wenn sie meine Frau anrufen und sie traurig um Asyl für zwei Nächte bitten und sie das Wochenende bei uns verbringen dürfen. Leider machten sie das im Beisein meiner Frau.


    Am Montag fuhren wir gegen 15.00 Uhr nach Hannover zum IKEA-Markt. Es wurde alles eingekauft was auf der Wunschliste meiner Frau stand. Sie musste nicht hinten sitzen. Es gab kein Essen.


Ja manchmal klappt es, manchmal aber auch nicht. Weitere Tipps (z.B. Der Wahnsinn Tupperparty) gebe ich gern weiter. Pro Tipp fünf Euro.


Uli der Problemlöser